EIGENE WELT
Wir nehmen die Außenwelt durch unsere fünf Sinnesorgane – Augen, Ohren, Nase, Zunge und Haut – wahr. Es ist ähnlich wie in einem Haus, in dem wir sitzen und durch fünf Fenster nach außen blicken. Gedanken sind jedoch keine Sinnesorgane. Da Gedanken im Gehirn entstehen, können wir das Gehirn als Denkbasis bezeichnen. {Hadaya-vatthu (P)}In buddhistischen Schriften wird das Auftreten des Dharma in unserem Geist als Gedanke definiert. Die Objekte der fünf Sinnesorgane sind die fünf physischen Phänomene: Form, Klang, Geruch, Geschmack und Empfindung. Das Objekt des Geistes ist der Dharma. Der Dharma umfasst diese fünf physischen Phänomene. Und damit auch das gesamte Universum. Ein Gedanke ist eine mentale Empfindung, der Geist oder das Bewusstsein. Wir können auch sagen, dass das Bewusstsein eine Gesamtheit von Gedanken ist, die durch Prozesse des Denkens, des Argumentierens, des Urteilens und des Schlussfolgerns entsteht und schließlich in Worten und Handlungen zum Ausdruck kommt.
„Der Geist ist der Herr, der Geist erschafft Phänomene.“ Hier bezieht sich „Gedanke” auf den Geist, das Bewusstsein, das klare Wissen, also das, was noch nicht in Worten und Taten zum Ausdruck kommt.
Kehren wir zu dem oben genannten Beispiel zurück, bei dem das Haus durch fünf Fenster mit der Außenwelt verbunden ist. Die fünf Elemente der äußeren Welt – Farbe, Klang, Geruch, Geschmack und Empfindung – dringen in das Haus ein und verbinden sich zu einem Gesamterlebnis. So wird das Haus zum Geist mit einem klaren Erkennen, das noch nicht in Worten und Taten zum Ausdruck kommt.
Dieses Erkennen muss durch die Sinne vermittelt werden und ist daher von ihnen abhängig. Es steht nicht direkt mit dem äußeren Objekt in Verbindung, sondern nimmt lediglich die Signale wahr, die an das Gehirn gesendet werden.
Wir können die Sinnesorgane und das Gehirn eines Menschen wie die Hardware eines Computers betrachten. Da die Funktionalität der Sinnesorgane und des Gehirns verschiedene Level haben, ähnlich wie die Software eines Computers, ist die Wahrnehmung jedes Menschen anders. Aufgrund der unterschiedlichen materiellen Zusammensetzung von Sinnesorganen und Gehirn – die sich auch innerhalb einer Person verändern kann – sowie der unterschiedlichen Funktionsweise in Bezug auf Qualität und Kapazität entsteht das Produkt, das als Geist oder Bewusstsein bezeichnet wird. Diese Endprodukte sind nicht mehr die „Originale“ der ursprünglichen Objekte.
Da die „Wahrnehmung“ jedes Menschen anders ist. Darüber hinaus durchlaufen die Signale von außen viele verschiedene Filter, bevor sie im Gehirn ankommen. Im Prozess der Bewusstseinsbildung werden sie durch eigene Gedanken, Überlegungen und subjektive Urteile verändert. Was der Geist dann wahrnimmt, ist bereits das transformierte Objekt.
Kurz gefasst: wie die Welt draußen aussieht? Welche Farbe sie wirklich hat, wissen wir nicht. Der Flammenbaum im Tempelhof ist ein Beispiel: Der eine sagt, er habe lilafarbene Blüten, der andere meint, er habe blaue. Ein anderer meint, dass seine Blüten dunkelblau sind usw. Leider kann unsere Sprache nicht alles erfassen, was wir beschreiben wollen.
Erweitern wir diese Sichtweise auf das gesamte Leben. Das Leben selbst ist äußerst komplex. Es gibt unzählige Ereignisse, Menschen, Szenen und mentale Zustände. Doch jeder von uns nimmt nur den kleinen Raum um sich herum wahr, der auf die sechs Sinnesorgane Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Berühren und Denken begrenzt ist. Wir können nicht alle Lebewesen und alle unbelebten Objekte im Universum wahrnehmen. Wenn wir etwas nicht wahrnehmen können, glauben wir, dass es nicht existiert.
Jeder von uns lebt also in seiner eigenen Welt, und keine Welt gleicht der anderen. Das ist unsere eigene Gedankenwelt. Oder unser eigenes Wissensreich. Was wir wahrnehmen, macht unser Reich aus. Wir sind glücklich oder traurig, wir lieben oder hassen – all das erleben wir in unserem eigenen Reich.
Wenn wir weise sind, nehmen wir nur das Schöne und Gute wahr. Dann wird auch unser Leben schön und gut sein. Betrachten wir einen Freund und sehen nur seine guten Eigenschaften, dann wird er ein guter Freund für uns sein. Betrachten wir einen Lehrer und sehen in ihm Tugendhaftigkeit und Weisheit, werden wir etwas von ihm lernen.
Daher ändert sich unsere Wahrnehmung von Menschen, unserer Umwelt und Objekten ständig. Jeder auf seine Weise. Auch Tiere nehmen ihre Umwelt wahr. Ihre Sinnesorgane sind jedoch anders als unsere. Wie sie ihre Welt wahrnehmen, können wir leider nicht erfahren. In den Büchern der buddhistischen Lehre steht, dass Menschen das Wasser zum Waschen, Trinken oder Kochen benutzen, während es für Fische der Lebensraum ist usw.
Wir alle leben in unserer eigenen, subjektiven Wahrnehmung. Was außerhalb unseres Gehirns geschieht, können wir nicht richtig wahrnehmen. Das wahre Universum bleibt uns verborgen. Wir nehmen es nur durch unsere sechs Sinnesorgane – Augen, Ohren, Zunge, Nase, Körper und Geist – wahr.
Vielleicht ist die Yathābhūta aus diesem Grund der wichtige Kultivierungsweg. Yathā bedeutet „wie“ oder „ähnlich“. Bhūta bedeutet „real” oder „echt”.
Aber warum nur wie echt?
Selbst wenn wir diese Welt rein objektiv und ohne Bewertung betrachten und unser Geist frei von Emotionen ist, nehmen wir sie dennoch nur durch unsere subjektiven Sinnesorgane wahr.
Die Illusion funktioniert auf ähnliche Weise, obwohl das weltliche Leben unecht ist, da es auf bedingtem Entstehen basiert. Dennoch glauben viele andere, dass es real existiert. Daher leiden oder freuen sie sich. Sobald wir jedoch begreifen, dass unser Leben nur eine Illusion ist, erheben wir uns über Leid und Freude. Dieser Geisteszustand wird im Buddhismus als Illusions-Erkenntnis oder Illusions-Samadhi bezeichnet.
Die Wahrnehmung „wie echt“ oder „wie Illusion“ ist eine Wahrnehmung des Mittelwegs.
Wie echt ist etwas, wenn wir seine Eigenschaften betrachten: Soheit / Tathata (skt)
Eine Illusion ist etwas, wenn wir über die Wahrheiten des Phänomens nachdenken: Tathata.
Da wir die Existenz der Phänomene weder anerkennen noch abstreiten, ist „wie echt“ oder „wie Illusion“ die Einsicht eines Mittelwegs.
"Wie echt" ist etwas, wenn wir seine Eigenschaften betrachten: So wie es ist/Soheit
"Wie Illusion" ist etwas, wenn wir über die Wahrheiten des Phänomens nachdenken und erkennen, dass es eine Illusion ist. Das führt ebenfalls zur letztendlichen Wahrheit: Soheit
Fazit: Die Wahrnehmung des Weges der Mitte ist eine erwachte Wahrnehmung. Oder man nennt sie Non-Dual-Dharma, das im Vimalakirtinirdesa-Sutra geschätzt und gelehrt wird.
Unser Übungsziel ist es, unseren Geist und unsere Weisheit zu transformieren, um eine Wahrnehmung für den Weg der Mitte zu entwickeln und uns in diesem Reich, dem Reich des Nirvanas, zu verankern. Jeder von uns lebt in seiner eigenen Welt. Selbst wenn wir wiedergeboren werden, unsere Körper sich in andere Formen und Schwingungsfrequenzen verwandeln, unser Geist reiner oder verunreinigter wird und unser Weisheit sich ausbreitet oder in Unwissenheit zurückkehrt, befinden wir uns immer in unserer eigenen, von uns selbst geschaffenen Welt. Daher muss jeder seinen eigenen Weg finden und die volle Verantwortung für seinen Lebensweg übernehmen.
So hat Buddha gelehrt:
„Seid euch selbst ein Licht, dem ihr folgen könnt
Nehmt zur Wahrheit Zuflucht
Verlasst euch auf niemanden und nichts anderes!
Denn alles ist vergänglich“.
Sunyata Buddhistisches Zentrum, den 01-10-2021
TN
Link zum vietnamesischen Artikel: https://tanhkhong.org/a2786/triet-nhu-snhp029-canh-gioi-rieng-minh

